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Unerwartetes Alaska

Neue und atemberaubende Wunder überall

Unerwartetes Alaska

Seit ich Alaska vor mehreren Jahren entdeckt habe, hat mich die schiere Größe, wilde Schönheit und weitläufige unberührte Natur fasziniert. Alaska hat mich so gepackt, dass es mich jedes Jahr wieder dorthin gezogen hat, um in der weiten und exotischen Landschaft immer neue und noch atemberaubendere Wunder zu entdecken. Auch dieses Jahr ist es mir so ergangen. Ich zog aus, die Arktis zu erobern und vielleicht das Polarlicht und Eisbären zum ersten Mal zu fotografieren.

Die erste Erkenntnis bei einem Besuch in Alaska ist, wie weit dieser US-Bundesstaat eigentlich vom Rest der USA entfernt ist. In den vergangenen Jahren bin ich von Los Angeles nach Anchorage geflogen. Dies dauert nicht viel mehr als 5 Stunden, etwa genauso lang wie der Flug von der US-West- zur Ostküste. Dieses Jahr ging mein Flug mit einer Flugdauer von insgesamt achteinhalb Stunden jedoch von Houston nach Fairbanks. Das ist fast dieselbe Zeit wie ein Flug von der Westküste der USA bis nach Europa!

Fairbanks fungierte als Knotenpunkt meiner Erkundungen. Als Erstes ging es von dort in den Denali-Nationalpark. Ich hatte Denali bereits letzten Sommer besucht, aber da hatte es ununterbrochen geregnet. Ich fragte mich, ob es den Mount McKinley überhaupt gab, da sich die Alaskakette ständig von Wolken, Nebel und schlechten Sichtverhältnissen der Betrachtung entzog. Nach vier Tagen hatte ich es auf ganze 100 Aufnahmen gebracht, von denen keine für die Veröffentlichung taugte. Ansel Adams hatte bei seinem Versuch, Mount McKinley im Sommer zu fotografieren, ganz ähnliche Erfahrungen gemacht. Ich hätte wohl nicht nur seinen Fotos, sondern auch seinen Schriften mehr Aufmerksamkeit schenken sollen.

Dieses Jahr sollte meine Reise in den Denali-Nationalpark im Herbst stattfinden, einer Jahreszeit, in der sich Alaska normalerweise klarer Himmel und kühler, aber angenehmer Temperaturen erfreut. Gleich nach meiner Ankunft wusste ich, dass der diesjährige Besuch völlig anders verlaufen würde. Warmes Wetter und klare Himmel begrüßten mich, während die volle Palette der Herbstfarben und der frische Schnee auf den Bergen eine unerwartete Überraschung waren.

Die Schönheit der Tundra in den Herbstfarben lässt sich fast nicht beschreiben. Die Orange-, Rot- und Gelbtöne scheinen direkt aus einem Gemälde von van Gogh zu stammen. Ich hatte erwartet, dass die Blätter der Bäume ihre Farben ändern würden, aber ich hatte ganz vergessen, dass die Tundra im Grunde ein aus Miniaturbäumen und -büschen bestehender Wald ist. Versteckt in diesem einen halben Meter hohen Wald wuchsen frische, süße Himbeeren und Blaubeeren. Was für eine köstliche Erfrischung während der langen Nachmittage, die ich mit Landschaftsaufnahmen von Denali verbrachte!

Nach meinem Denali-Besuch ging's über den Dalton Highway, einer 500 Meilen langen Schotterstraße parallel zur Alaska-Pipeline, von Fairbanks nach Deadhorse (auch unter dem Namen Prudhoe Bay bekannt). Der Dalton Highway ist die einsamste Straße Amerikas, die als Hauptmitwirkende in der Reality-Fernsehserie „Ice Road Truckers“ bekannt wurde.

Die Haul Road (oder Transportstraße), wie die Trucker den Dalton Highway nennen, durchquert ein wunderschönes, aber einsames Gebiet. Entlang der Straße gibt es nur zwei Orte: Coldfoot mit zehn Einwohnern und Wiseman mit 11 bis 13 Einwohnern, je nachdem, wen man gerade fragt. Diese Entfernung von der hellerleuchteten Zivilisation ermöglicht wunderschöne dunkle Nachthimmel für Aufnahmen von Sternen oder auch Polarlichtern. Tagsüber sieht man manchmal Karibuherden über die Hügel des Brooks Range in der Nähe des Arctic National Wildlife Refuge ziehen, während Moschusochsen auf den Ebenen in der Nähe der Franklin Bluffs grasen. Auch andere wilde Tiere wie Rotfuchs, arktischer Ziesel, Grizzlybär, Elch und viele Vogelarten verschönern die Landschaft.

 

 Bei der Ankunft in Deadhorse kommt man sich vor wie der Besucher einer isolierten Kolonie auf einem fremden Planeten. Das Klima ist ungastlich, und die Sterilität dieser von der Ölindustrie geprägten Stadt ist nicht sehr einladend. In diesem menschlichen Außenposten gibt es nur 25 ganzjährige Einwohner und keine privaten Wohnhäuser. Alle leben in den Lagern der Ölindustrie.

In Deadhorse hält man sich nur aus einem Grund auf: gut bezahlte Öljobs. Ein sogenannter Roustabout (ein Anfängerjob in der Ölindustrie) kann in Deadhorse pro Jahr weit über 100.000 Dollar verdienen, und das ohne Sonderleistungen, Reisespesen und Bezahlung sämtlicher Kosten. Deshalb wird Öl wohl auch als „schwarzes Gold“ bezeichnet.

Das Leben in Deadhorse ist unkompliziert: 12 Stunden Arbeit gefolgt von 12 Stunden Schlaf. Dies zwei Wochen lang wiederholen, darauf achten, sich bei der Arbeit nicht zu verletzen, und dann zwei Wochen Heimaturlaub, um das schwerverdiente Ölgeld auszugeben. Während des Heimaturlaubs nicht zu viel trinken und nicht vergessen, sich wieder pünktlich zur Arbeit einzufinden.

Der moderne Flugplatz in Deadhorse ist mein Ausgangspunkt für meinen Besuch von Barter Island, einer etwa 3,5 x 6 km großen Barriereinsel, die oft von Eisbären besucht wird. Die Insel wurde „Handelsinsel“ getauft, als die einheimischen Inupiat-Eskimos dort im 19. Jahrhundert einen Handelsposten einrichteten.

Nach einem 30-minütigen Flug in einem Buschflugzeug gelangte ich zum Dorf Kaktovik, dem „Ballungsraum“ von Barter Island. In Kaktovik gibt es keinen Flughafenterminal und keine öffentlichen Verkehrsmittel. Ein alter Schulbus dient als einzige Verbindung zwischen der schotterbedeckten Landebahn und der rustikalen Lodge in der Stadt, bei der es sich eher um eine Gruppe von miteinander verbundenen Wohnwagen handelt. Die Piloten übernahmen ebenfalls die Aufgabe der Gepäckabfertigung, und Einheimische halfen dabei, sämtliche Touristen, Kameraausrüstung und Gepäck abzuholen.

Aufgrund der Abgelegenheit sind die Inupiat in Kaktovik Meister der traditionellen Eigenversorgung, beispielsweise durch die Jagd von Karibus und Polarwalen. Der Stadt ist es gesetzlich gestattet, drei Wale pro Jahr zu erlegen, was für die 239 Einwohner eine billige Quelle für Fett und Protein zum Überleben darstellt. Von dem, was von den Walen übrig bleibt, profitieren auch die Eisbären.

Eisbären, die aufgrund ihrer Nahrung ebenfalls zu den Meeressäugetieren gerechnet werden können, sind für ihr Überleben vom Vorhandensein der Eisdecke und Robben abhängig. Obwohl sie sehr gute Schwimmer sind, bewegen sich Eisbären auf Land eher schwerfällig und sind daher schwache Sommerjäger. Während der warmen Monate, nach dem Schmelzen des Packeises, sitzen die Eisbären auf Land fest und verbringen die meiste Zeit damit, zu schlafen und Energie zu sparen.

Die Eisbären auf Barter Island haben eine symbiotische Beziehung zu den Inupiat entwickelt. Am Ende der herbstlichen Waljagd sammeln die Inupiat Knochen und andere Überreste, die von den Menschen nicht verzehrt oder verarbeitet werden, in einem „Knochenhaufen“. Die Bären ernähren sich von diesen Resten, die für sie eine reiche Energiequelle darstellen, an der es ihnen in ihrer Umgebung ansonsten mangelt. Ich fand den Anblick des Knochenhaufens mit den Eisbären, die sich an den Überresten der Wale gütlich taten, ein wenig gruselig, aber der Kontrast zwischen Leben und Tod sorgte für einige dramatische Aufnahmen.

Bei meinem Besuch in Kaktovik konnte ich 24 verschiedene Eisbären zählen, darunter viele ein- und zweijährige Bärenjunge. Diese Eisbärgemeinschaft ist Gegenstand der Forschung, aber alle Bären scheinen gesund zu sein und zu gedeihen. Die Inupiat begrüßen die Eisbären als Quelle des Ökotourismus für die Insel. Vielleicht können sowohl Bären als auch Menschen von dieser neuen Beziehung profitieren.

Die Rückkehr nach Hause von solchen exotischen Orten ist für mich immer bittersüß. Obwohl ich kaum darauf warten kann, meine Aufnahmen anzusehen und Freunden und Familie meine Abenteuer zu erzählen, füllt mich bereits wieder die Sehnsucht nach der wilden Natur Alaskas. Die unvergessliche Großartigkeit und Erhabenheit nähren meine Seele und erwecken gleichzeitig ein existenzielles Bedürfnis nach Abenteuer und Erkundung. Es ist ein Gefühl wie kein anderes, und vielleicht ist dieses Gefühl der tiefste Grund, aus dem ich immer wieder in das letzte Grenzland Amerikas zurückkehre.




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Cesar Aristeiguieta

Cesar Aristeiguieta ist ein preisgekrönter Expeditions- und Werbefotograf, der gekonnt die Wunderbarkeit und Würde von Menschen und Natur festhält.
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